Satzung Turnerbund Wiesbaden J.P.

Die Satzung können Sie HIER einsehen.


Der Turnerbund Wiesbaden J.P.

Der Turnerbund Wiesbaden (TBW) entstand seinerzeit aus zwei verschiedenen Vereinen.

Ein Gründungsverein des TBW war der Männer-Turnverein (MTV) von 1864. Er wurde am 27. April 1864 von 11 Turnern gegründet. Der 1. Vorsitzende Theodor Werner wurde am 7. Mai 1864 in der ersten Generalversammlung gewählt. Die Mitglieder des MTV turnten zunächst in verschiedenen städtischen Turnhallen bis 1887 auf dem Grundstück Platter Str. 18, bis die Turner eine eigene Halle bauten und eine Fecht- und Gesangsriege gründeten. Außerdem wurde auf dem alten Exerzierplatz an der Schiersteiner Straße Fußball gespielt.

1894 wurde Fritz Engel Turnwart des MTV. Durch ihn wurde in drei Wiesbadener Turnvereinen erstmalig das Frauenturnen eingeführt.

Gleich nach dem 1. Weltkrieg schlossen sich viele junge Mitglieder dem MTV an und gaben ihm neue Impulse. U.a. wurde eine Handballabteilung ins Leben gerufen, die im Jahre 1920 mit dem damaligen Turnverein 1846 in Schierstein ein Demonstrationsspiel austrug. Faustball und Leichtathletik wurden ebenfalls mit ins Programm genommen. Zudem entstand eine große und erfolgreiche Turnerinnen-Abteilung.

Der zweite Gründungsverein des Turnerbund Wiesbaden war die 1879 gegründete Turngesellschaft J.P., die anfangs ebenfalls in städtischen Turnhallen ihre Übungsstunden abhielt. Hier wurde in den 90er Jahren eine Turnerinnen-und Fußballabteilung gegründet. Die Fußballabteilung schied jedoch später aus der Turngesellschaft aus und gründeten den eigenständigen Sportverein Wiesbaden (SVW).

Die Turngesellschaft konnte 1910 ein eigenes Vereinsheim mit Turnhalle, großem Festsaal, Vereinsrestaurant sowie einem Wohngebäude in der Schwalbacher Straße 8 im Wert von 440.000 Goldmark errichten. Diesem Tatbestand verdankt der TBW noch heute seinen Grundbesitz.

1923 schlossen sich der Männer Turnverein und die Turngesellschaft zu einem Großverein, dem heutigen Turnerbund Wiesbaden, zusammen, um auf Basis der größeren Mitgliederzahl weitergehende turnerische und sportliche Entfaltung bieten zu können. Die finanziellen Voraussetzungen hierfür wurden durch den Verkauf der Turnhalle an der Platter Straße geschaffen.

Der Turngesellschaft waren bereits durch Kabinettserlass vom 12. Dezember 1888 die Rechte einer Juristischen Person verliehen worden. Die gleichen Rechte wurden dem neuen Großverein nach dem Zusammenschuss als Rechtsnachfolger beider Vereine durch Erlass des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau mit Wirkung zum 21. März 1923 verliehen. Seit dem nennt sich der Verein „Turnerbund Wiesbaden J.P.“.

Der TBW wurde danach nicht nur der größte Verein Wiesbadens, sondern belebte auch stark den Turn- und Sportbetrieb in der Stadt. Neben der jahrelang führenden Schlagballmannschaft entstand eine neue eigenverantwortliche Frauenabteilung. Unter der Leitung von Ina Koch bestand diese Abteilung bis lange nach dem 2. Weltkrieg.

Bis 1929 wurde der Turnbetrieb von Fritz Engel als „Oberturnwart“ geleitet und ging dann an den hauptamtlichen Turn- und Sportlehrer Peter Schick über, der ein hervorragender Gerätturner war. Mit ihm begann ein weiterer turnerischer Aufschwung. Er widmete sich früh der aufstrebenden Gymnastik und führte in diesem Turnzweig viele Turnerinnen des TBW zu Erfolgen und Meisterschaften.

Durch die ungünstigen politischen Veränderungen 1933 wurden zunächst alle Jugendveranstaltungen der Fachverbände unterbunden, später wurde der gesamte Turn- und Sportbetrieb wesentlich eingeschränkt. Die Selbstverwaltung aller Vereine musste dem Befehlsempfang weichen. Dennoch wurden Turn- und Sportfeste weiterhin besucht, und die TBW-Mannschaft erzielte viele Siege und Auszeichnungen.

Durch den   Ausbruch des 2. Weltkriegs 1939 kam das Turn- und Sportleben fast völlig zum Erliegen. Auf Grund des Engagement von Peter Schick konnte der Turnbetrieb noch eingeschränkt im Sälchen des TBW-Vereinsrestaurants aufrecht erhalten werden. Die Turnhalle war für militärische Zwecke beschlagnahmt worden. Später wurden die Turnstunden in die Turnhalle der Oranienschule verlegt.

1944 wurde infolge kriegsbedingter Umstände der Turnbetrieb völlig eingestellt. Im Februar 1945 wurde die TBW-Halle durch einen Fliegerangriff stark beschädigt. Mit Kriegsende und Besetzung durch die amerikanischen Truppen wurden durch die Militärregierung alle Vereine aufgelöst und deren Vereinsvermögen beschlagnahmt. Es sollte nur ein großer Turn- und Sportverein in Wiesbaden gebildet werden. Jedoch durch TBW´ler wurde das Vereinsverbot und die Vermögensbeschlagnahme verhindert. Damit war der Weg für eine Wiedergründung des Turnerbund Wiesbaden frei.

1946 wurde durch Peter Schick das Turnen in der Halle der Elly-Heuss-Schule wieder aufgenommen. Ebenso begann die Handballabteilung wieder mit ihrem Spielbetrieb. Das ganze Vereinsleben festigte sich schnell und die Turnabteilung wurde wieder so stark, dass sie Wettkämpfe austragen konnte. Im Oktober 1946 bildete sich der Hessische Turnverband als Zusammenschluss aller Turnvereine im neuen Land Hessen. Eine Folge aus der Zusammenführung aller Turnvereine Deutschlands sollte das 1948 in Frankfurt am Main stattfindende Turnfest sein, an dem sich natürlich der TBW mit vielen Turnerinnen und Turnern beteiligte.

Durch die Freigabe des Vereinsvermögens konnte nach der Währungsreform die zerstörte Turnhalle, unter Leitung des damaligen 1. Vorsitzenden August Duhm, wieder aufgebaut werden. Sie wurde am 6. Februar 1949 eingeweiht. Finanziert wurde der Bau vor allem durch den späteren Pächter des Vereinsrestaurants, Spenden und Darlehen von TBW-Mitgliedern. Der Turnbetrieb konnte nun erheblich ausgeweitet werden, und es herrschte eine rege Beteiligung an Gau- und Landesveranstaltungen. Auch im Ausland fanden die Gymnastikvorführungen unter Führung von Peter Schick große Bewunderung. Außerdem erhielt die Abteilung Leichtathletik regen Zuwachs. Und unter Leitung von Heinz Thum jr. Entstand erneut eine Fußball- und unter Dr. Herbert Noll eine Fechtabteilung.

1952 wurde dem TBW die Ausrichtung des Ausscheidungsturnens für die Olympischen Spiele in Helsinki vom DTB übertragen.

Im selben Jahr schnitt der TBW beim Deutschen Turnfest in Hamburg mit 28 Siegen und weiteren guten Platzierungen sehr gut ab. 1954 feierte er sein 90jähriges Bestehen. 1955 konnte die Handballjugend die Bezirksmeisterschaft erringen und die 1. Mannschaft schaffte 1956 den Wiederaufstieg in die Bezirksklasse.

Beim Deutschen Turnfest 1958 brachte der TBW 40 Sieger und Siegerinnen hervor. Eine zweite Frauen-Gymnastikgruppe wurde 1959 eingerichtet. Außerdem wurde die Rhönrad-Abteilung gegründet, die bis heute erfolgreich besteht.

Weitere erfolgreiche Jahre bis zum 100 jährigen Vereinsjubiläum im Jahre 1964 folgten. Peter Schick beendete nach 35jähriger Tätigkeit im TBW seine außergewöhnliche Karriere und wurde durch Hermann Altes als Turnlehrer ersetzt.

1965 verkaufte der TBW auf Grund der Stadtneuplanung sein Anwesen und erwarb sein jetziges Anwesen am Kurt-Schumacher-Ring zu äußerst günstigen Bedingungen. Die Planung und Durchführung des Neubaus durch den Architekten Dipl.-Ing. Herbert Wagner und die neue „Jahn-Turnhalle“ mit allen Nebenräumen wurde am 15. März 1970 festlich eingeweiht. Die Baukosten betrugen insgesamt 1.600.000,-- DM. Auf dem sehr viel größeren Grundstück wurden außerdem ein Wohnhaus, eine Gaststätte und Kegelbahnen errichtet, deren Kosten weitere 1.770.000.-- DM betrugen.

Im Juni 1970 war das sechsstöckige Wohnhaus am Kurt-Schumacher-Ring 15 bezugsfertig. Im Rahmen einer Dach- und Fassadenrenovierung wurde 1987 ein 7. Stockwerk aufgesetzt. Besonderen Anteil daran hatte Karl-Christian Schinköthe, der zwischenzeitlich TBW-Vorsitzender geworden war und den TBW bis zum März 2013 sehr erfolgreich führte.

Mit Inbetriebnahme des neuen Anwesens wurde die sportliche Tradition des TBW erfolgreich fortgeführt. Die Leichtathleten erlebten unter Ernst Lübbehusen einen neuen großen Aufschwung. 1984 schied die Fechtabteilung aus und die 1. Fußballmannschaft des TBW löste sich 1987 auf. Insgesamt über 60 TBW-Mitglieder errangen den Titel eines Hessischen Meisters bzw. Meisterin. Daneben gab es eine Vielzahl weiterer guter Platzierungen bei nationalen und hessischen Meisterschaften.

Jedoch nimmt die Priorität wettkampforientierter Abteilungen immer mehr ab. Dafür wurde 1983 die erste Aerobic-Gruppe eingerichtet, die inzwischen zur stärksten Abteilung avancierte. Weitere neue Trends, hauptsächlich aus dem Bereich des Gesundheitssports (Yoga, Pilates, Zumba u.v.m.) wurden aufgenommen. Der große Zustrom in diese Übungsstunden hält bis heute unverändert an. Weiterhin kamen verschiedene Reha-Sportgruppen hinzu, wie z.B. Koronarsport, Krebsnachsorge, Wirbelsäulengymnastik und Diabetes. Durch diese Angebote übernimmt die Altersgruppe 50 + mittlerweile den größeren Mitgliederanteil – im Vergleich zu den Anfängen des TBW, als Kinder und Jugendliche noch den größeren Part innehatten.

Die Verantwortlichen werden mit Interesse verfolgen, wie sich die Sportlandschaft und die Mitglieder in den nächsten Jahren verändern. Auf jeden Fall wird sich der Turnerbund Wiesbaden J.P. in alle Richtungen mitbewegen und natürlich alle interessanten Entwicklungen – soweit ihm möglich – auch mit begleiten.

Was bedeutet eigentlich das J.P. im Vereinsnamen?

Diese Frage beantwortet unser langjähriges Mitglied Adolf G. Ober, Rechtsanwalt und Notar in der Kanzlei Ober, Janzen & Partner, Biebricher Allee 19, 65187 Wiesbaden:

„Der Turnerbund Wiesbaden ist durch Zusammenschluss des Männerturnvereins (MTV) von 1864 und der Turngesellschaft im Jahre 1923 entstanden.

 

Der Turngesellschaft waren bereits durch Kabinettserlass vom 12. Dezember 1888 mit Wirkung vom 2. Oktober 1888 die Rechte einer „juristischen Person“ verliehen worden. Die gleichen Rechte wurden dem Turnerbund Wiesbaden nach dem Zusammenschluss als Rechtsnachfolger beider Vereine durch Erlass des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau mit Wirkung von 21. Juli 1923 verliehen. Seit diesem Tage nennt sich der Zusammenschluss beider Vereine „Turnerbund Wiesbaden J.P.“

Erst mit dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) am 1.1.1900, das die vorher in den einzelnen deutschen Staaten bestehende Rechtszersplitterung beendete, wurde das Recht der Bürger zur Gründung von Vereinen in der Weise geschaffen, dass lediglich bestimmte Ordnungsvorschriften beachtet werden mussten mit der Maßgabe, dass die nicht auf einen wirtschaftlichen Zweck ausgerichteten so genannten Idealvereine durch Eintragung in das Vereinsregister die Rechtsfähigkeit erlangten. Diese rechtlichen Möglichkeiten zur Vereinsgründung werden unter dem Begriff der „Vereinsfreiheit“ zusammengefasst, der zwischenzeitlich auch grundsätzlich geschützt ist.

Vor dem Inkrafttreten des BGB war es jedoch offenbar in den meisten deutschen Staaten so, dass keine grundsätzliche Vereinsfreiheit bestand, sondern dass vielmehr der Staat sich das Recht vorbehielt, Vereinen durch staatlichen Hoheitsakt die Rechtsfähigkeit zu verleihen. Diesem Verleihungsakt ging eine Prüfung insbesondere der Ziele und Zwecke des Vereins voraus. Zur damaligen Zeit bestand auf Seiten des Staates die ständige Befürchtung, dass ein Verein mit staatsfeindlichen Zielen gegründet werden könnte. Daher erfolgte die Prüfung durch staatliche Organe, während im Rahmen der heutigen Vereinsfreiheit lediglich der Registerrichter prüft, ob die Satzung des Vereins den wenig einschränkenden Bestimmungen des BGB entspricht und die Gründungsformalitäten beachtet worden sind. Das ist ein gravierender Unterschied.

Daraus folgt, dass es den Begriff des eingetragenen Vereins erst seit dem Inkrafttreten des BGB gibt und vorher die Rechtsfähigkeit dadurch geschaffen wurde, dass der in Gründung befindliche Verein zur „juristischen Person“ – wie bereits gesagt durch staatlichen Hoheitsakt – deklariert wurde. Dies wurde durch den Zusatz „J.P.“ zum Vereinsnamen nach außen kundgetan.

   

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